BookLab · Germany · Catalogue

Duineser Elegien — Duino Elegies (German original)

by Rainer Maria Rilke · 1875–1926
German original · Germany · free to read in ITIPS BookLab

DUINESER ELEGIEN (1923)
[Source: German Wikisource]

Textdaten

<<<
>>>

Autor:
Rainer Maria Rilke

Illustrator:

Titel:
Die erste Elegie

Untertitel:

aus:
Duineser Elegien
S. 7–10

Herausgeber:

Auflage:
Erste Auflage

Entstehungsdatum:
1912–1922

Erscheinungsdatum:
1923

Verlag:
Insel-Verlag

Drucker:

Erscheinungsort:
Leipzig

Übersetzer:

Originaltitel:

Originalsubtitel:

Originalherkunft:

Quelle:
UB Bielefeld S. 7–10

Kurzbeschreibung:

Artikel in der Wikipedia

[[d:|Datenobjekt bei Wikidata]]

Eintrag in der GND:

Bild

[[Bild:|250px]]

Bearbeitungsstand

fertig

Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe

[[index:|Indexseite]]

WER, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel

Ordnungen? und gesetzt selbst, es nähme

einer mich plötzlich ans Herz: ich verginge von seinem

stärkeren Dasein. Denn das Schöne ist nichts

5als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen,

und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht,

uns zu zerstören. Ein jeder Engel ist schrecklich.

Und so verhalt ich mich denn und verschlucke den Lockruf

dunkelen Schluchzens. Ach, wen vermögen

10wir denn zu brauchen? Engel nicht, Menschen nicht,

und die findigen Tiere merken es schon,

daß wir nicht sehr verläßlich zu Haus sind

in der gedeuteten Welt. Es bleibt uns vielleicht

irgendein Baum an dem Abhang, daß wir ihn täglich

15wiedersähen; es bleibt uns die Straße von gestern

und das verzogene Treusein einer Gewohnheit,

der es bei uns gefiel, und so blieb sie und ging nicht.

O und die Nacht, die Nacht, wenn der Wind voller Weltraum

uns am Angesicht zehrt –, wem bliebe sie nicht, die ersehnte,

20sanft enttäuschende, welche dem einzelnen Herzen

mühsam bevorsteht. Ist sie den Liebenden leichter?

Ach, sie verdecken sich nur miteinander ihr Los.

Weißt du’s noch nicht? Wirf aus den Armen die Leere

zu den Räumen hinzu, die wir atmen; vielleicht daß die Vögel

25die erweiterte Luft fühlen mit innigerm Flug.

Ja, die Frühlinge brauchten dich wohl. Es muteten manche

Sterne dir zu, daß du sie spürtest. Es hob

sich eine Woge heran im Vergangenen, oder

da du vorüberkamst am geöffneten Fenster,

30gab eine Geige sich hin. Das alles war Auftrag.

Aber bewältigtest du’s? Warst du nicht immer

noch von Erwartung zerstreut, als kündigte alles

eine Geliebte dir an? (Wo willst du sie bergen,

da doch die großen fremden Gedanken bei dir

35aus und ein gehn und öfters bleiben bei Nacht.)

Sehnt es dich aber, so singe die Liebenden; lange

noch nicht unsterblich genug ist ihr berühmtes Gefühl.

Continue reading — free with your email
📖 Open the full book
Rainer Maria Rilke and 231 more masters · 69.8 million words · no ads

More by Rainer Maria Rilke

Poems (tr. Jessie Lemont)Die Sonette an Orpheus — Sonnets to Orpheus (GThe Notebooks of Malte Laurids Brigge (German Neue Gedichte — New Poems (German original)New Poems, Part II (German original)
© 2026 ITIPS — BookLab · public-domain texts, faithfully presented